Predigt am Pfingstmontag über Apg 8,5-24

von Pfarrerin Laura Baumgart

 

I.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

es ist Pfingsten – das Fest der Geburt der Kirche, das Fest des Heiligen Geistes. Wir haben gehört, was am ersten Pfingstfest geschah. Vom Rauschen, wie ein Wind, der das ganze Haus erfüllte. Von Feuerzungen, die erschienen und sich auf jedem im Haus setzten. Davon, dass alle plötzlich durcheinander sprachen, in allen Sprachen der Erde, und davon, dass sie sich trotzdem verstehen konnten. Und davon, dass an diesem Tag viele, viele Menschen getauft wurden – es sollen über 3000 Taufen gewesen sein. Ein riesiger Tumult. Doch wie ging es danach eigentlich weiter? Das ist eine gute Frage für den Pfingstmontag. Was geschah danach?

Das Pfingstfest war das Ende der Jüngergruppe. Mit dem Heiligen Geist „ausgestattet“ zogen sie nun einzeln oder zu zweit in aller Herren Länder, erzählten den Menschen von Jesus und verkündigten die Frohe Botschaft. Nicht überall ging das gut: Manche Jünger mussten dafür mit ihrem Leben bezahlen. An anderen Orten wurden sie mit offenen Armen willkommen geheißen und gründeten eine eigene Gemeinde. In der Apostelgeschichte finden wir viele Erzählungen der Abenteuer, die die Jünger zu dieser Zeit erlebten. Heute geht es um eine Begegnung der etwas anderen Art, die der Jünger Philippus machte.

 

II.

5 Philippus ging in die Stadt Samaria und erzählte den Bewohnern von Christus.

Er verließ also Jerusalem und Israel und zog ins Nachbarland, Samaria – hier lebten die berüchtigten Samariter. Philippus predigt, tauft, heilt.

6 Die Menge hörte ihm bereitwillig zu, und sie sahen auch die Wunder, die er tat. 7 Viele böse Geister wurden ausgetrieben und fuhren mit lautem Geschrei aus. Außerdem wurden viele Menschen geheilt, die gelähmt oder verkrüppelt gewesen waren. 8 Darüber herrschte große Freude in der Stadt. 9 Schon seit vielen Jahren lebte in dieser Stadt Simon, ein Magier,

Zauberer und Magier sind zu diesen Zeiten nichts Ungewöhnliches. Zur Zeit der Urgemeinde gab es viele von ihnen und viele waren sogar sehr einflussreich. Sie wirkten Wunder, bewirkten Heilungen, betrieben Exorzismus und praktizierten Astrologie. Der Zauberer Simon lebte schon sehr lange in Samaria und hatte schon so viele Wunder gewirkt, dass manche Menschen ihn für den Messias hielten…

9 Schon seit vielen Jahren lebte in dieser Stadt Simon, ein Magier, der sich für etwas Besonderes hielt. Mit seiner Zauberei zog er die Leute in seinen Bann. 10 In Samaria nannte ihn jeder, den man fragte, nur »den Großen - die Kraft Gottes«. 11 Durch die Zauberkünste besaß er großen Einfluss, denn er hatte viele Anhänger. 12 Doch nun glaubten die Menschen an die Botschaft vom Reich Gottes und vom Namen Jesus Christus, die Philippus predigte. Viele Männer und Frauen ließen sich taufen. 13 Auch Simon wurde gläubig und empfing die Taufe. Er begann, Philippus auf Schritt und Tritt zu folgen, und staunte über die großartigen Wunder und Zeichen, die dieser vollbrachte. 14 Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass das Volk in Samaria die Botschaft Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes. 15 In Samaria angekommen, beteten die beiden für die neuen Gläubigen, damit sie den Heiligen Geist empfingen. 16 Bis dahin war der Heilige Geist noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen von Jesus, dem Herrn, getauft worden. 17 Petrus und Johannes legten den Gläubigen nun die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.

Soweit ist das eine schöne Geschichte. So ähnlich verlaufen viele Erzählungen in der Apostelgeschichte. Ein Jünger (oder Apostel) predigt, tauft, heilt und tut Wunder. Menschen finden zu Jesus Christus, Gemeinden werden gegründet.

Aber unsere Geschichte nimmt nun eine interessante Wendung und deshalb ist sie in unseren Bibeln niedergeschrieben.

 

III.

Simon, der Zauberer, war getauft worden und zog seitdem mit Philippus umher. Staunend sah er ihm zu. Vorher war er derjenige gewesen, der die Menschen beeindruckt hatte – doch Philippus war durch seine Taten überzeugender. Simon hatte also Konkurrenz bekommen. Jetzt schaute er sich alles ganz genau an – aus beruflichem Interesse sozusagen, und das überzeugt ihn. Als Petrus und Johannes ankommen, legen sie den Menschen die Hände auf, segnen sie und die Menschen empfangen den Heiligen Geist. Das will Simon auch können! Selbstbewusst macht er den Aposteln ein Angebot…

18 Als Simon sah, dass der Heilige Geist gegeben wurde, wenn die Apostel den Leuten die Hände auflegten, bot er ihnen Geld und sagte: 19 »Gebt auch mir diese Macht, damit die Menschen den Heiligen Geist auch empfangen, wenn ich ihnen die Hände auflege!«

Simon braucht etwas und weiß, wo er nachfragen muss. Er braucht etwas und ist auch bereit, das zu bezahlen. Es ist davon auszugehen, dass die Apostel arm wie Kirchenmäuse waren und sein Geld vermutlich gut gebrauchen konnten.

 20 Doch Petrus erwiderte: »Dein Geld soll zusammen mit dir verderben, weil du glaubst, du könntest Gottes Geschenk kaufen! 21 Du hast kein Recht darauf, weil dein Herz vor Gott nicht aufrichtig ist. 22 Kehre dich ab von deiner Verdorbenheit und bete zum Herrn. Vielleicht vergibt er dir deine bösen Gedanken, 23 denn ich sehe, dass du voll Bitterkeit bist und gefangen in der Ungerechtigkeit.«

Petrus ist nicht käuflich, er lehnt das Angebot ab und er lehnt Simon ab, denn dessen Geisteshaltung ist nicht so, wie Jesus es wollte und will. Was wirklich wichtig ist im Leben, das kann man nicht kaufen, sagt er, denn das wichtigste im Leben bekommst du geschenkt. Liebe ist ein Geschenk, Glaube ist ein Geschenk, die Taufe ist ein Geschenk, der Heilige Geist ist ein Geschenk von Gott. Das alles sind Geschenke von Gott, die man dankbar annehmen darf, aber die man um kein Geld der Welt kaufen kann.

Stattdessen fordert Petrus von Simon Umkehr und Buße. Kehre dich ab von deiner Verdorbenheit und bete zum Herrn. Ohne die Umkehr, ohne die Buße wirst du den Weg zu Gott niemals finden. Nur getauft zu sein reicht nicht aus. Es braucht jeden Morgen neu die Zuwendung zu Gott, das Hören auf Gottes Wort, das Gebet für sich selbst und für andere. Man kann sich auf dem Glauben nicht ausruhen, sondern wir müssen immer wieder neu unsere Wege und unser Handeln vor Gott bedenken. Kehre dich ab von deiner Verdorbenheit und bete zum Herrn. Bete zu Gott. Denn im Gebet treten wir vor Gott und stellen uns selbst die Fragen: Was war gut? Was ist mir nicht gelungen? Was habe ich versäumt – um gleich darauf um Vergebung zu bitten und das Leben auf neuen, besseren Pfaden fortzusetzen. Tu Buße! Das verlangt Petrus vom Zauberer Simon, der einfach gar nichts begriffen hatte. Simon dachte, er könnte die Kraft des Heiligen Geistes kaufen, aber Petrus weist ihn scharf zurecht. Die einzige Art, Gottes Kraft zu empfangen, ist: Sich von der Sünde abzuwenden, Gott um Vergebung zu bitten und von seinem Heiligen Geist erfüllt zu werden. Mit Geld sind Erlösung, Sündenvergebung oder Gottes Kraft und Gaben nicht zu erkaufen. Sie sind nur durch Buße und den Glauben an Jesus Christus als unseren Heiland und Erlöser zu bekommen.

 

IV.

Da rief der Zauberer Simon: 24 »Betet für mich zum Herrn, dass mir nichts von dem Schrecklichen zustoße, wovon ihr gesprochen habt!« Und damit endet die Erzählung. Wir wissen nicht, wie es mit Simon weiterging – weil er für die Verbreitung des Christentums keine Rolle mehr gespielt hat. Er dient uns heute als Negativbeispiel: So sollen wir nicht sein, so sollen wir nicht denken. Geld regiert eben nicht die Welt, sondern Jesus Christus. Er ist der Mittelpunkt, er ist das Zentrum und der Glaube an ihn ist umsonst, gratis und kostenlos. Selbst die ärmste Kirchenmaus kann besonders reich an Glauben sein. Der Heilige Geist ist uns Menschen eben auch gar nicht verfügbar, wir haben keine Macht über ihn, können ihn nicht herbeizaubern und schon gar nicht käuflich erwerben. Der Heiliger Geist ist Gottes Geschenk an jeden Täufling. Wenn dreimal das Wasser den Menschen berührt und dabei die Formel erklingt „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ – dann zieht der Heilige Geist in das Herzen des Menschen ein, hält ihn im Glauben, bewegt ihn, begeistert ihn.

Möge Gott seinen Heiligen Geist jeden Tag neu zu uns schicken. Möge er unsere Kirchengemeinde in Bewegung halten, möge er uns alle für Jesus Christus begeistern und uns reich machen an Glaube, Hoffnung und Liebe.

Amen.

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