Himmelfahrtsgottesdienst am 21.05.2020

(Pfarrerin Tina Oehm-Ludwig,

Versöhnungskirche-Matthäuskirche Fulda)

 

Begrüßung

Herzlich willkommen zum Gottesdienst am Himmelfahrtstag.

Diesen Gottesdienst hätten wir gern – wie in den vergangenen Jahren – in fröhlicher Gemeinschaft von Versöhnungskirche, Matthäuskirche, Kreuzkirche und Christuskirche gefeiert. Doch wie so vieles in diesem Jahr ist das leider nicht möglich.

Dennoch sind wir auch in diesem Jahr auf dem Sportplatz in Gläserzell. Dennoch erfreut uns auch in diesem Jahr die Gruppe „Esprit“ mit ihren Liedern. Dennoch feiern wir auch in diesem Jahr einen (Video-) Himmelfahrtsgottesdienst – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Und wir freuen uns sehr, dass Sie mit uns feiern!

 

Lied „Esprit“: Jubelt, feiert, jauchzt unserem Gott!

Kehrvers:

Jubelt, feiert, jauchzt unserem Gott! Fröhliche Lieder sollen erklingen!

Unsre Erde, die ganze Welt stimme mit ein, Gott zum Lob zu singen.

1. Denn Gott schenkt uns das Leben, und Gott gehören wir.

Alle geschaffenen Wesen nährt Gott, gibt ihnen Quartier.

Kehrvers

2. Denn Gott wird uns behüten, wohin der Weg uns führt,

wird wie ein Hirte sich sorgen, dass Böses uns nicht passiert.

Kehrvers

3. Denn Gott liebt ohne Ende. Offen steht uns die Tür,

um Gottes Nähe zu finden: Kommt, tretet ein! Dankt dafür!

Kehrvers

 

Ansprache

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

in den vergangenen Wochen haben viele Menschen oft hinauf zum Himmel geschaut. Die einen sorgenvoll, weil sie nach Regen Ausschau gehalten haben, die anderen verwundert, weil sie den Himmel noch nie so blau erlebt haben – so ganz ohne Kondensstreifen. Im Predigttext für den Himmelfahrtstag wird berichtet, dass auch Jesus hinauf zum Himmel schaut. Im 17. Kapitel des Johannesevangeliums heißt es: „Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach.“ Was dann folgt, ist ein Gebet, ein Gespräch Jesu mit seinem Vater im Himmel.

„Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach.“ Auf den ersten Blick ist dies ein ganz unscheinbarer Satz – eine kurze Einleitung, mehr nicht. Doch es lohnt sich, diesen auf den ersten Blick so unscheinbaren Satz einmal durchzubuchstabieren.

Jesus hob seine Augen auf

„Jesus hob seine Augen auf.“ Das ist alles andere als selbstverständlich – zumindest heutzutage. Es ist heutzutage alles andere als selbstverständlich, dass ein Mensch seine Augen aufhebt. Dass ein Mensch nach oben schaut. Viele Menschen schauen einen Großteil ihrer Zeit nach unten – mit Vorliebe auf ihr Handy. Unzählige Nachrichten wollen da gelesen und beantwortet, unzählige Bilder und Videos angeschaut und weitergeleitet werden. Die neuesten Apps müssen heruntergeladen und genutzt und die neuesten Entwicklungen in Stadt und Land und in der ganzen Welt zur Kenntnis genommen und gegebenenfalls kommentiert werden.

Viele Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit dem Blick nach unten – auch deshalb, weil sie keine Kraft haben, um den Kopf zu heben. Weil sie keine Kraft haben, um nach oben zu schauen. Das Leben hinterlässt seine Spuren – auch und gerade das Leben der letzten zweieinhalb Monate. Die Corona-Pandemie geht an keinem Menschen spurlos vorüber. Unsicherheit, Einsamkeit, die Sorge um die Gesundheit – die eigene und die geliebter Menschen, Existenzangst, die Frage, wie es weitergehen soll, was der richtige Weg und das richtige Maß ist – all das macht unseren Kopf schwer und zieht unseren Blick nach unten. Hinzu kommt all das, was unseren Kopf schon vor der Krise schwer gemacht und unseren Blick nach unten gezogen hat.

„Jesus hob seine Augen auf.“ Das ist alles andere als selbstverständlich. Das ist eine echte Herausforderung. Es war auch für Jesus eine echte Herausforderung. Auch sein Blick wurde nach unten gezogen. Er hatte sich gerade von seinen Jüngern verabschiedet, und nun fällt sein Blick auf das, was ihm bevorsteht: Verhaftung, Verurteilung, Kreuzigung und Tod.

„Jesus hob seine Augen auf zum Himmel

Es kostet viel Kraft, den Blick nach oben zu richten. Den Blick abzuwenden von dem, was ihn so ganz und gar ausfüllt und ihn mit aller Macht unten gefangen halten will. Es kostet viel Kraft, den Blick nach oben zu richten. Und ich denke, es ist überhaupt nur dann möglich, wenn man weiß, wo man oben hinschauen soll. Wo man oben hinschauen kann. Es ist nur möglich, wenn der Blick nach oben ein Ziel hat. Jesus wusste, wohin er schauen kann, wenn er von seiner eigenen Situation weg und nach oben blickt. Sein Blick nach oben hatte ein Ziel. Jesus schaut nicht irgendwo hin, sondern es heißt von ihm: „Jesus hob seine Augen auf zum Himmel.“ Jesus schaut auf zum Himmel – und damit geradewegs hinein in die Augen seines himmlischen Vaters. Denn der Himmel ist nicht leer.

Der Himmel ist nicht leer. Gott ist da. Und Gott schaut zurück. Er schaut uns an, wenn wir nach oben, wenn wir in den Himmel blicken. Wir sind gesehene, wir sind angesehene Menschen – angesehen mit unserem ganzen Leben. Und Gott liebt das, was er sieht. Er liebt uns. Es ist ein liebevoller Blick, mit dem Gott zurückblickt, wenn wir nach oben in den Himmel schauen.

Der Himmel ist nicht leer. Aber der Himmel kann mit Wolken verhangen sein. Er kann uns verschlossen erscheinen. Dann sehen wir erst einmal nichts, wenn wir nach oben blicken, wenn wir unseren Blick auf Gott richten. Aber das heißt nicht, dass Gott uns nicht sieht. Er sieht uns, auch wenn vor unseren Augen ein Schleier ist – ein Schleier aus Fragen und Zweifeln, ein Schleier aus Enttäuschung oder aus Traurigkeit. Wir sind und bleiben gesehene, angesehene Menschen.

„Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach

„Jesus hob seine Augen auf zum Himmel.“ Der Satz ist damit allerdings nicht zu Ende. Er geht noch weiter: „Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach.“ Mit anderen Worten: Jesus bleibt nicht stumm. Er verstummt nicht. Es gibt viele Gründe dafür, warum ein Mensch verstummt. Manchmal ist das vor lauter Staunen. Da ist etwas so unglaublich schön, so wunderbar gemacht, dass es einem die Sprache verschlägt. Doch auch und gerade das Schwere lässt einen Menschen verstummen.

„Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach.“ Jesus ist nicht verstummt – trotz seiner Angst vor dem, was auf ihn zukommt, trotz seiner Sorge um die Jünger, die er bald zurücklassen muss, trotz seiner Enttäuschung über den Verrat des engen Vertrauten, der unmittelbar bevorsteht. Jesus ist nicht verstummt – nicht gegenüber Gott, gegenüber seinem himmlischen Vater. Jesus verstummt Gott gegenüber nicht, sondern im Gegenteil: Er sucht das Gespräch mit ihm. Er betet.

Und genau das wünsche ich mir – für mich selbst und für uns alle: Dass wir Gott gegenüber nicht verstummen. Nicht aus Scheu, weil wir vielleicht nie richtig „gelernt“ haben zu beten. Nicht aus Überheblichkeit, weil wir meinen, das Gebet sei nur etwas für Kranke und Schwache. Nicht aus Enttäuschung, weil unsere bisherigen Gebete scheinbar unerhört und ungehört geblieben sind. Sondern ich wünsche mir, dass wir immer wieder neu das Gespräch mit Gott suchen – das Gespräch über das Leben, über unser Leben. Über das Schöne und Gute ebenso wie über das Schwere, über die verpassten Chancen, die unerfüllten Träume, die angehäufte Schuld, die selbst erlittenen und die anderen zugefügten Verletzungen, die Brüche des Lebens. Und ich wünsche mir, dass wir im Gespräch mit Gott die gute und befreiende Erfahrung machen, in und mit unserem Leben nicht allein zu sein.

Ein Programm fürs Leben

„Jesus hob seine Augen auf zum Himmel und sprach.“ Was auf den ersten Blick wie ein unscheinbarer Satz daherkommt, ist auf den zweiten Blick ein Programm für das ganze Leben: Den Blick immer wieder nach oben richten, nach ganz oben, auf Gott – und mit ihm im Gespräch bleiben.

Und der Friede Gott, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Heiland und Herrn. Amen.

 

Lied „Esprit“: Himmelwärts

Kehrvers:

Ehre sei Gott und Friede den Menschen, Friede auf Erden himmelwärts.

Ehre sei Gott und Friede den Menschen, Friede auf Erden himmelwärts, himmelwärts, himmelwärts.

1. Du machst uns leicht in schweren Zeiten, du bist den Hungrigen das Brot. Und wenn wir im Dunkeln stehen, bist du das Morgenrot.

Kehrvers

2. Du schenkst uns Frieden, wenn wir streiten, du bist den Trauernden der Trost. Und wenn wir nicht weiter wissen, bist du der Horizont.

Kehrvers

 

Gebet

Herr, unser Gott, wir bitten dich:

Zieh unseren Blick nach oben und lass dein Licht die sehen,

in deren Häusern und Herzen Dunkelheit eingekehrt ist,

weil sie etwas erfahren haben, das ihnen Angst macht,

weil sie etwas aufgeben mussten, worauf sie gehofft hatten,

weil sie jemanden verloren haben, der ihnen viel bedeutet hat.

 

Zieh unseren Blick nach oben und lass deine Nähe die spüren,

die allein und einsam sind;

die niemanden haben, der mit ihnen redet und der ihnen zuhört,

der sich für sie Zeit nimmt und da ist, wenn er gebraucht wird.

 

Zieh unseren Blick nach oben und lass deine Liebe die erfahren,

die nicht beachtet, nicht ernst genommen, nicht wertgeschätzt werden;

die auf ein freundliches Wort warten,

auf ein liebevolles Lächeln,

auf eine schlichte Geste der Zuneigung.

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Lied „Esprit“: Segne uns mit der Weite des Himmels

1. Segne uns mit der Weite des Himmels, segne uns mit der Wärme der Sonne, segne uns mit der Frische des Wassers, himmlischer Vater, segne uns.

Kehrvers:

Segne, Vater, tausend Sterne, segne, Vater, unsre Erde, segne, Vater, Meer und Land, segne, Vater, Herz und Hand.

2. Segne uns mit dem Rauschen der Wälder, segne uns mit der Ernte der Felder, segne uns mit der Kraft der Tiere, himmlischer Vater, segne uns. Kehrvers

3. Segne uns mit den Träumen der Kinder, segne uns mit der Liebe der Eltern, segne uns mit den Geschichten der Alten, himmlischer Vater, segne uns. Kehrvers

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