Predigt (Trinitatis)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, liebe Gemeinde!

Als ich diesen Gottesdienst und besonders diese Predigt vorbereitet habe, kam mir eine kleine Geschichte in Erinnerung, die ich vor einigen Jahren einmal gelesen habe:

Ein Schauspieler stolpert eines Abends ziemlich angeheitert auf die Bühne und findet einfach nicht in seine Rolle hinein. Er erwischt keinen einzigen Einsatz und weiß auch sonst nicht, was er sagen soll. Unaufhörlich und mit wachsender Verzweiflung versucht die Souffleuse, ihm zu helfen, indem sie ihm ein Stichwort nach dem anderen zuflüstert. Doch ohne Erfolg. Nach mehreren vergeblichen Versuchen bleibt der Schauspieler schließlich vor dem Souffleurkasten stehen, beugt sich zur Souffleuse hinunter und flüstert ihr zu: „Bitte keine Einzelheiten! Welches Stück wird eigentlich gespielt?“

„Welches Stück wird eigentlich gespielt?“ Mit anderen Worten: Worum geht es eigentlich – und zwar nicht in allen Einzelheiten, sondern ganz grundsätzlich? Das ist die Frage, die auch über der Konfirmandenzeit steht – über der Konfirmandenzeit, die für euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, am vergangenen Dienstag begonnen hat. Es geht in dieser Zeit um die Frage, worum es in der Kirche eigentlich geht bzw. was es mit dem Glauben eigentlich auf sich hat. Natürlich wird es in dieser Zeit auch um die eine oder andere Einzelheit gehen. Wir wollen an manchen Stellen auch etwas tiefer bohren und der Sache ganz genau auf den Grund gehen. Aber auf jeden Fall soll in dieser Zeit klar werden, worum es in der Kirche grundsätzlich geht, was es mit dem Glauben eigentlich auf sich hat.

Vielleicht denkt der eine oder die andere von den Erwachsenen jetzt: „Eine Konfirmandenzeit würde ich auch gern noch einmal erleben. Denn eigentlich frage ich mich auch – hin und wieder oder immer noch: Worum geht es hier eigentlich?“ Und fügt hinzu: „Bitte keine Einzelheiten! Bitte keine theologischen Abhandlungen und Spitzfindigkeiten, die kein Mensch versteht. Bitte keinen Streit um Kleinigkeiten oder Äußerlichkeiten, der nur Zeit, Kraft und Energie kostet und letztlich nicht weiterbringt.“

Worum geht es hier eigentlich? Der heutige Sonntag Trinitatis, an dem wir die Einheit von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist feiern, ist wie dafür geschaffen, eine Antwort auf diese Frage zu geben, auch wenn das Trinitatisfest auf den ersten Blick nicht so aussieht. Denn dieses Fest, an dem wir feiern, dass Drei gleich Eins ist, ist vielleicht das unbegreiflichste, zumindest aber das unanschaulichste Fest von allen. Und dennoch macht das Trinitatisfest klar, worum es in der Kirche ebenso wie in meinem ganz persönlichem Glauben geht: Es geht schlicht und ergreifend um Gott – um Gott, den Vater, um Gott, den Sohn, und um Gott, den Heiligen Geist.

Es geht um Gott, den Vater – genauer gesagt: Es geht darum, was mir im Leben Halt und Kraft gibt.

Gott, der Vater, hat Himmel und Erde geschaffen. Er hat auch mich geschaffen. Er hat mich gewollt. Ich bin sein Geschöpf. Mehr noch: Ich bin sein Kind. Ich bin eben nicht nur das Kind meiner Eltern, festgelegt nach Herkunft, Landschaft oder Geschlecht, sondern ich gehöre auch zu Gott. Mit seiner Liebe steht er hinter meinem Leben – das hat er mir bei meiner Taufe fest versprochen.

Ich bin Gottes Geschöpf. Ich bin sein Kind, sein geliebtes Kind. Das gibt meinem Leben einen Wert und eine Würde, die ich mir nicht selbst erarbeiten muss. Das gibt meinem Leben einen Wert und eine Würde, die mir nichts und niemand nehmen kann – weder ein anderer Mensch noch ich selbst, weder irgendein Ereignis in meinem Leben noch eine Krankheit, auch nicht das Alter und noch nicht einmal der Tod. Denn ich bleibe Gottes Kind – auch über den Tod hinaus.

Ich bin Gottes Geschöpf. Ich bin sein Kind, sein geliebtes Kind. Das bedeutet auch: Ich bin in meinem Leben niemals allein, denn Gott selbst ist an meiner Seite. Er begleitet und führt mich. Das heißt nicht unbedingt, dass mir Krankheit und Leid erspart bleiben, aber es heißt: In allem, was kommen mag, bin ich nicht allein. Dafür steht Gott, der Vater, der Himmel und Erde geschaffen hat.

Es geht in der Kirche und im Glauben auch um Gott, den Sohn – genauer gesagt: Es geht darum, an wem ich mich in meinem Leben orientiere.

Ich kann mich in meinem Leben an Jesus halten, an Jesus von Nazareth. Er wird der Sohn Gottes, der Christus, genannt, weil er uns Menschen wie kein anderer Gott, den Vater, gezeigt hat – den Vater, der die Liebe ist. Jesus wird der Sohn Gottes, der Christus genannt, weil er uns Menschen vorgelebt hat, wie Gott sich uns Menschen wünscht, nach welchem Bild er uns eigentlich geschaffen hat. Und schließlich: Jesus wird auch der Sohn Gottes, der Christus, genannt, weil er uns ein Leben in Beziehung zu Gott ermöglicht hat. Es steht nichts mehr zwischen Gott und uns – keine Schuld, kein Versagen und auch nicht der Tod. Auf dieser Grundlage können dann auch unsere übrigen Beziehungen neu werden – unsere Beziehungen zu den Menschen um uns herum ebenso wie unsere Beziehung zu uns selbst. Wir können lieben – uns selbst und andere, weil wir geliebt sind: von Gott. Wir können vergeben – uns selbst und anderen, weil uns vergeben ist: durch Gott.

Für all das steht Jesus Christus, der Sohn.

Und schließlich geht es in der Kirche auch um Gott, den Heiligen Geist – genauer gesagt: Es geht darum, wie ich meinen Glauben leben kann.

Als Christinnen und Christen versuchen wir, im Geist Jesu, in seinem Sinn zu reden und zu handeln. Wir versuchen, unseren Mitmenschen so zu begegnen, wie er es getan hat – mit offenen Augen und Ohren, mit offenen Händen und mit einem offenen Herzen. Wir versuchen, die Bitten und Fragen unserer Mitmenschen zu hören, sie in ihren körperlichen und seelischen Nöten nicht allein zu lassen und sie mit den Kräften, die wir haben, zu unterstützen, z.B. mit unserer Zeit, mit unserem Geld, mit Rat und Tat.

Wir versuchen auch, Jesu Geist, seine Ideen und Visionen von einer neuen Welt, von einer Welt, wie sie Gott gefällt, weiterzutragen und andere dafür zu begeistern. Seine Ideen und Visionen von einer Welt, in der der Friede regiert, in der Gerechtigkeit herrscht und in der die Schöpfung nicht zerstört, sondern bewahrt wird.

Und schließlich: Wir versammeln uns Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst, um miteinander zu singen, zu beten und Gottes Wort zu hören, um uns als Gemeinschaft zu erfahren und uns für unseren Alltag stärken zu lassen.

Für das alles steht der Heilige Geist. Er macht das möglich. Er bewegt Menschen – aufeinander zu und hin zu Gott.

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist – darum geht es in der Kirche, darum geht es im Glauben. Ganz grundsätzlich. Zu den Einzelheiten kommen wir dann in den nächsten Wochen und Monaten im Konfi-Unterricht – ebenso wie in jedem Gottesdienst.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Heiland und Herrn. Amen.

(Pfarrerin Tina Oehm-Ludwig)

 

 

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