Ansprache zum Weihnachtsmusical „Herzlich willkommen in Bethlehem“

Liebe Kinder,

vielen Dank für euer Weihnachtsmusical „Herzlich willkommen in Bethlehem“ – ihr habt das toll gemacht!

Liebe Gemeinde,

ich vermute, ganz so herzlich wie bei unserem Weihnachtsmusical war das Willkommen in Bethlehem für Maria und Josef damals nicht. Vermutlich hat keiner von denen, an dessen Türen sie klopften, zu ihnen gesagt: „Herzlich willkommen!“ Eigentlich ist diese Begrüßungsformel für Freunde, Verwandte, Bekannte oder Fremde, die vor der Tür stehen, auch überhaupt keinen Sinn, jedenfalls nicht aus dem Mund dessen, der die Tür öffnet. Denn das Wort „willkommen“ setzt sich doch aus „wollen“ und „kommen“ zusammen. Es scheint die Kurzform von „Ich will kommen“ zu sein. Wenn schon, dann müsste es derjenige sagen, der vor der Tür steht. Er müsste anklopfen und sobald sich die Tür öffnet, sagen: „Will-kommen“. Woraufhin er dann entweder hereingebeten oder ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen wird. Aus dem Munde dessen, der die Tür öffnet, macht die Wendung allenfalls als Frage einen Sinn: „Will-kommen? Willst du tatsächlich zu mir kommen?“

Ich habe einmal nachgeforscht, was die Wendung „Willkommen“ eigentlich meint. Sie bedeutet: „dem Wunsch oder Willen nach angekommen“. Die Wendung ist also eine Art Bestätigung. Als solche macht sie aus dem Munde dessen, der die Tür öffnet, natürlich Sinn. Er bestätigt dem, der vor der Tür steht, dass er an der richtigen Adresse angekommen ist. Man könnte auch sagen: Der die Tür öffnet, hat die Funktion eines Navis, das das Ende einer Fahrt mit den Worten „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ quittiert.

Eine solche Bestätigung macht auch beim ersten Lied unseres Weihnachtsmusicals Sinn: „Willkommen, ihr Leut‘ von nah und fern“, hieß es da. Mit andere Worten: Ihr Leut‘ von nah und fern, ihr habt euer Ziel Bethlehem erreicht – wie der Kaiser Augustes es befohlen hat. Beim letzten Lied macht eine solche Bestätigung wiederum keinen Sinn. Denn da hieß es: „Willkommen, du liebes Jesuskind.“ Das Jesuskind braucht ja keine Bestätigung von uns Menschen, dass es an der richtigen Adresse ist. Das weiß es selbst. Gott weiß selbst, wo und wann er richtig ist.

Daher denke ich, dass die Wendung „Herzlich willkommen“ noch mehr ist als nur eine Bestätigung. Wenn ich einen anderen mit den Worten „Herzlich willkommen“ begrüße, dann bestätige ihm nicht nur, dass er irgendein Ziel erreicht hat, sondern ich willige darin ein, dass ich selbst dieses Ziel bin. Ich akzeptiere seinen Wunsch, zu mir zu kommen – hier und jetzt. So, wie er ist und wie ich gerade bin. Mit allem, was er mitbringt, und mit allem, was ich gerade anzubieten habe – oder auch nicht.

Ich wünsche mir, dass an diesem Weihnachtsfest viele Menschen sagen: „Herzlich willkommen, du liebes Jesuskind“. Herzlich willkommen bei mir und in meinem Leben. Herzlich willkommen – so, wie du bist und wie ich gerade bin. Herzlich willkommen mit allem, was du mitbringst an Licht und Wärme, Hoffnung und Friede, und mit allem, was ich gerade anzubieten habe – oder auch nicht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Heiland und Herrn. Amen.

(Pfarrerin Tina Oehm-Ludwig)

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